Italien – Dolomiten – Toblinger Knoten

Sexten / Italien

Nachdem ich in letzter Zeit ein paar Beiträge über „Klettersteige“ geschrieben habe, komme ich nun heute zu einem der besonderen Art.

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Ja dieser Klettersteig hat Geschichte und hat mir meine Grenzen aufgezeigt.

Ein fotografieren während des Klettersteiges war nicht möglich, da man immer beide Hände benötigte. Nachdem er fast senkrecht verläuft wird hier einem definitiv kein Fehltritt oder Unkonzentriertheit verziehen. Wer hier ohne Sicherung diesen Steig angeht ist einfach nur „Lebensmüde“.

Wir waren zu dritt an diesem Wochende unterwegs und hatten diesen Steig im Visier. Kurz nach dem Einstieg hat ein Freund abgebrochen. Im war dieser Klettersteig einfach zu schwierig und dies muss man natürlich akzeptieren. Wir gingen dann zu zweit weiter um zu schauen was da alles noch kommt ! Froh waren wir aber auch , als wir am Gipfel standen. Der Steig ist von der Länge oder vom Zeitaufwand völlig unkompliziert. Die reine Gehzeit beträgt ca. 30 Minuten.

Das Foto unten habe ich gemacht als wir morgens nach einer Übernachtung auf der Drei Zinnen Hütte zum Einstieg gingen. Der Berg schwirrte mir schon lange im Kopf herum weil ich schon viel über ihn gelesen habe und heute sollte es wahr werden. Das Wetter war trocken aber doch ein bisschen neblig ( am Vorabend hatten wir ein Gewitter ). Dies war gar nicht so schlecht, weil die Tiefblicke nicht so extrem waren wie bei klarem Wetter. Hier wird einem die Höhe erst richtig bewusst. Also schauten wir nicht nach unten sondern permanent nach oben. Ja es beruhigte uns schon ein wenig. Wenn man so mittendrin ist, kommen schon ein paar Gedanken auf ! Was ist wenn ein Haken oder eine Steighilfe lose ist ? Der Fall dürfte garantiert sein. Man vertraut natürlich den Steigen weil sie permanent überprüft und kontrolliert werden, hauptsächlich nach dem Winter.

Man geht praktisch an Eisentritte, Eisenleitern und Drahtseilen empor und immer an den Orginal Holzleitern von damals vorbei. Sie sind heute natürlich nicht mehr begehbar. Man kann es sich nicht vorstellen, dass Soldaten hier Munition , Verpflegung , ein MG – Maschinengewehr ect. hochgetragen haben. Ferner hatten die damals auch nicht die Sicherungsmöglichkeiten wie wir heute, sondern max. ein Seil um den Bauch gebunden. Brust und Sitzgurte waren Fehlanzeige.

Man muss sich vorstellen, die Soldaten saßen Monate auf dem Gipfel egal wie das Wetter war , im Sommer wie auch im Winter. Sie wurden im Stundenrythmus abgelöst, aber unbesetzt war der Posten nie egal ob bei Tag oder in der Nacht. Im unteren Teil sieht man heute noch die Stollen wo Soldaten positioniert waren. Man kann diese Stellungen mit Höhlen vergleichen. Sie wurden in den Berg gesprengt. Am Sockel des Berges wurden Holzbaracken gebaut für die Mannschaften. Primitive Ausstattung mit Stockbetten und einem Holzofen. Das „heizen“ war problematisch weil der abziehende Rauch durch den Kamin dem Gegner zeigte wo diese Baracken standen und diese sofort beschossen wurden.

Besonders die Verwundeten waren am schlimmsten betroffen. Wie bringt man die ins Tal über einen Höhenunterschied von 2000m . Hubschrauber gab es damals natürlich keine ! Auch hier denke ich gab es unzählige Opfer die man bei rechzeitiger Versorgung hätte retten können.

Ich habe ja mal zum Ausdruck gebracht, dass ich kein großer Lesemensch bin. Bücher über den Alpenkrieg ( Dolomiten ) habe ich verschlungen und wollte unbedingt soviel wie möglich solche strategischen Ort besuchen und anschauen. Das hier ist einer davon !

Der Toblinger Knoten:

Es handelt sich um den Klettersteig auf den „Toblinger Knoten“ in der Nähe der bekannten Drei Zinnen Hütte.

Der Toblinger Knoten ist ein 2617 m hoher Berg in den Sextner Dolomiten in Südtirol. Er war im Gebirgskrieg 1915–1918 von strategischer Bedeutung und wurde mit zahlreichen Stellungen ausgebaut. Reste der damaligen Militärwege werden heute als beliebte Klettersteige genutzt.

Der Einstieg, eine 4 Meter hohe Verschneidung, ist für den gemeinen Bergwanderer bereits so schwierig (geschätzt III) ist, dass Personen mit wenig Klettersteig Erfahrungen sicher von der Begehung dieses Steiges abgehalten werden. Vermutlich wurde das bewusst gemacht um die Schwierigkeit gleich am Anfang aufzuzeigen.
Außer dem Seil gibt es auf diesen ersten Metern nicht viele ausgeprägte Tritte oder Griffe. Auf den Einstieg folgen dann bald schon eine steile Rinne, eine kurze Querung und die erste von insgesamt 17 teils etwas überhängenden Leitern. Nun folgt beinahe Leiter auf Leiter durch senkrechte, teils recht enge Kamine.

Vom höchsten Punkt vom Gipfel des Toblinger Knotens genießt man eine tolle Aussicht auf die spektakuläre Umgebung der Sextener Dolomiten und natürlich auf die Drei Zinnen als naher Blickfang!

Der Abstieg erfolgte über den Feldkurat Hosp Steig. Dieser ist, obwohl ebenfalls steil und teils recht luftig, deutlich einfacher als der Leitersteig. Er verläuft fast durchgängig gesichert im Zickzack die NO Flanke des Knotens hinab.

Auf den Spuren des Ersten Weltkrieges 

Mit Handbohrmaschinen und Meißeln werden im Ersten Weltkrieg Bergstollen gegraben und die Berggipfel unterminiert, um sie wenig später in die Luft zu sprengen. Schnee, Eis, Lawinen, Steinschlag und Temperaturen unter minus 30 Grad im Winter fordern unzählige Menschenleben.

Insgesamt kommt ein Drittel der Opfer durch Naturgewalten oder Krankheit ums Leben. Wer heute auf den ehemaligen Versorgungssteigen wandert, fühlt sich wie ein Zeitreisender. Rostiger Stacheldrahtzaun, Überreste von Konservendosen, tiefe Schächte in den Bergen und verfallene Stellungsbauten lassen nur annähernd erahnen, wie man hier um das Vaterland kämpfte.

Nach Aussagen betrug die Schneehöhe im Winter an manchen Tagen bis zu 9 Meter . Die Winter waren damals noch Winter . Eis, Schnee und Kälte bestimmten den Alltag der Soldaten. Unvorstellbar dass sich beide Länder teilweise Schützen und Laufgräben bis auf ca. 50 oder 100 Meter näherten. Ich Büchern steht, die hatten zum Teil Sicht und Sprechkontakt !

Die Frontlinie längs der Alpen allgemein veränderte sich über die Jahre nicht wesentlich. Es war also ein Stellungskrieg in der Region der nur Menschenleben kostete.

Die gesamt Linie begann praktisch am Stilfser Joch ( Südtirol – Schweizer Grenze ) bis knapp an die Slowenische Grenze. Die höchste Bergstellung von Soldaten lag bei ca. 3800 m Höhe auf dem Ortlergipfel. Das sind rund 1000 m höher als unsere Zugspitze in Deutschland.

Die Front befand sich zum größten Teil in gebirgigem Gelände und stellte somit besondere Anforderungen an die Kriegsführung . So musste buchstäblich jede Wasserflasche und jedes Stück Feuerholz von Maultieren oder Trägern in die Stellungen transportiert werden. Da ab dem Winter 1916/17 die Pferde und Maultiere mangels Futter kaum noch leistungsfähig waren, wurden sie mehr und mehr durch elektrisch betriebene Seilbahnen bzw. Zugverbindungen ersetzt.

Beide Seiten hatten aufgrund der ungeheuren Strapazen und Entbehrungen mit Disziplinproblemen bis hin zur Desertion  zu kämpfen. In der Österreichischen Armee waren vor allem tschechische Einheiten stark betroffen. Die schlechte Versorgung senkte natürlich auch die Kampfmoral.

Nachdem man auf der Fläche nicht weitergekommen war , versuchte man es über die Berggipfel. Hier konnte man Maschinengewehre und Scharfschützen stationieren und hatte einen guten Überblick.

Da dies beide Gegner machten waren diese Berge stratekisch gesehen sehr wichtig. In der Gegend gibt es Berge die vom Feind durch Sprengungen unterhöhlt wurden. Stollen wurden gegraben um Sprengstoff zu platzieren. Die Soldaten auf den Gipfel hörten die Bohrgeräusche , hatten aber keine Chance mehr den Gipfel zu verlassen. Ja sie wussten dass sie in die Luft gesprengt werden. Sie konnten die Stunden oder Tage zählen bis zur Explosion.

Am Col den Lana einem Berg in der Nähe starben bei einer Sprengung rund 150 Soldaten die sich auf dem Berg befanden. Der Berg allgemein wurde stark umkämpft und kostete rund 8000 Soldaten das Leben. Mal war er in Italienischer Hand und mal in Österreichischer Hand. Man rannte regelrecht an gegen diesen Berg um den Gipfel zu erobern. Verluste spielten dabei keine Rolle ! Bewusst wurden durch Beschießungen Lawinen losgelöst um zu töten.

Während des Gebirgskrieges von 1915-1918 war der Toblinger Knoten unter anderem wegen seines 360 Grad-Panoramablicks von großer strategischer Bedeutung und wurde mit zahlreichen Stellungen ausgebaut. Der Leiternsteig wurde erstmals im Frühjahr 1916 errichtet und 1979 schließlich zum modernen Klettersteig umgebaut. Teile der alten Wehr- und Steiganlage sind jedoch heute noch sichtbar.

Noch heute sind viele Zeugnisse wie Stollen oder Stellungen dieses Kriegsschauplatzes erhalten und können an manchen Stellen auch besichtigt werden. Sie sind Zeugen einer Zeit, in der selbst die mittlerweile zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannten Dolomiten vor Leid und Zerstörung durch Menschenhand nicht verschont blieben und schenken den Besuchern beeindruckende Einsichten in den Ersten Weltkrieg. Noch weit in die 70ziger Jahre hinein fand man rund um die Drei Zinnen Grananten, Patronenhülsen usw. . Regelrechte Altmetallsammler waren dort unterwegs und wurden fündig.

Nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich am 23. Mai 1915 verwandelte sich das Gebiet um die Drei Zinnen in einen düsteren Kriegsschauplatz. Die Frontlinie zwischen Paternkofel–Paternsattel–Drei Zinnen–Forcella Col di Mezzo entsprach der damaligen Staatsgrenze und wurde bis 1918 zu einer schwer umkämpften Gebirgsfront, wo sich Österreichische Kaiserjäger und Italienische Alpini gegenüberstanden. Im Zuge der Kriegshandlungen wurde gar ein Scheinwerfer mit großem Aufwand vom italienischen Heer auf die große Zinne gebracht, um die österreichischen Stellungen auszuleuchten. Die hat immerhin eine Höhe von 2999 m .

Allein im Dezember 1915 starben an der Gebirgsfront rund 100.000 Mann, nicht durch Kugeln oder Granaten, sondern durch Lawinen und eisige Kälte. 100.000 von über neun Millionen gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Foto zum vergrößern anklicken !

Toblinger Knoten – eine Felsnadel der besonderen Art

Soviel habe ich vermutlich noch nie in einem Beitrag geschrieben ! Sorry

23 Kommentare zu „Italien – Dolomiten – Toblinger Knoten

  1. Hallo Manni,
    dein Klettererlebnis in den Dolomiten sowie auch die Geschichte dazu ist sehr interessant zu lesen und finde es klasse, auch darüber mal etwas zu erfahren. Ziemlich waghalsig zur damaligen Zeit und auch noch heute, so wie es sich hier liest!
    Dieses Foto ist ganz toll und dachte beim ersten Blick, Dank meiner reen Fantasie, sofort an den Elfenbeinturm aus der unendlichen Geschichte. 😊
    Liebe Grüße, Hanne

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    1. danke und ja es ist ein Teil der Geschichte über die die wenigsten Bescheid wissen. Alle kennen den 2.Weltkrieg mit all seinen Grausamkeiten aber im 1. Weltkrieg war es auch nicht besser. Der Dolomitenkrieg war eben besonders hart weil er im Gebirge ausgetragen wurde. Der größte Feind war klar der Mensch aber nicht unbedingt die Waffen wie heute , sondern die Gegebenheiten wo er stattfand.
      Ich habe sehr viel darüber gelesen und kann nur sagen es war grausam was man damals den jungen Soldaten angetan hat.
      Ein Soldat hat mal geschrieben dass es für ihn am schlimmsten war von den Bergen ins Tal zu schauen, also in sein Heimatdorf und er durfte monatelang nicht hinunter zu seiner Familie obwohl es vielleicht nur 2-3 std. Fussweg waren. Die Soldaten mussten Bergerfahrung haben und da kamen nur die in Frage die dort auch zuhause waren. LG Manni

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    1. Dankeschön ! Ja hast du glaub schon geschrieben dass du auf der Drei Zinnen Hütte gewesen bist. Die Gegend ist wirklich ein Traum , hat aber die meinem Fall auch eine dunkle schlimme Vergangenheit !
      Danke fürs lesen

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    1. zunächst mal vielen Dank fürs Lesen ! Ich musste das ein wenig ausführlicher mache, mit Stichworter geht das nicht !
      Ja die wenigsten wissen Bescheid über diesen Kriegsschauplatz. Mich hat das immer sehr interessiert und habe viele Bücher darüber gelesen.
      Ich weiß nicht ob du schon wieder zuhause bist, wenn nein dann noch viele schöne Eindrücke im Urlaub ! VG Manni

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  2. Wow, was für eine Wortgewalt! Und das von einem bekennenden Wenigleser. Alle Achtung! Deine Beschreibung der technischen Umstände auf diesem Weg und auch die Situation der Soldaten damals hat mir gehörigen Respekt eingejagt. Wirklich beeindruckend!

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    1. Danke und ja da habe ich mich selbst übertroffen ! Anders lässt sich diese Geschichte, nein die Wahrheit nicht rüberbringen. Man kann das nicht in Stichworte fassen , dafür sind die Details zu wichtig ! Ich habe viele Bücher über den Alpenkrieg gelesen und wollte immer mal ein paar Schauplätze sehen um auch zu verstehen was hier passiert ist.

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